Tourenbericht vom der Fahrt zum FC St.Pauli

oder wie der Vierer-Bob der Bökel-Bären
den Eiskanal von Meinersen bezwingen wollte.

Ihr werdet euch sicher wundern warum ich diesmal schreibe was bei der Fahrt abgelaufen ist, aber die Story würde sicherlich reichen um ein Buch zu schreiben. Ich muss dass Ganze etwas aufteilen, da aus einer Gruppe am Ende zwei geworden sind.

Der Bericht der ersten Gruppe ist Tatsache, den Bericht der zweiten Gruppe habe ich mir aus den Aussagen der Mitfahrer zusammengereimt. Aber eigentlich müsste das alles stimmen.

Wir sind am Samstag, trotz allen Unkenrufen einer Absage, aufgebrochen um unsere Borussen in Hamburg zu unterstützen. Bahnfahrkarten hatten wir erst mal nicht, da wir damit rechnen mussten das doch noch eine Absage erfolgt. Aber das war eigentlich kein Problem. Der erste der sich beschwert hat war Rainer Tissler, weil wir mit dem Zug in Triangel Verspätung hatten. Als wir dann ab Triangel zusammen waren nahm das Drama seine Lauf. Bis Uelzen ging alles glatt. Die Verspätung hatten unser Zugfahrer mit einer grandiosen Einzelleistung wieder reingeholt.

Dann der erste Schock. Die Weiterfahrt nach Hamburg ist aufgrund eines Personenschadens auf unbekannte Zeit verschoben. Na gut, da hatte ich wenigstens Zeit unsere Ticket zu kaufen, was ich dann auch gleich erledigt habe. Dann kam die nächste Meldung: Die Strecke nach Hamburg über Bad Bevensen ist gesperrt. Alle Passagiere werden mit Bussen von Uelzen nach Bad Bevensen gefahren. Von da aus geht es weiter mit dem Zug nach Hamburg. Was soll's, wir waren schon glücklich das es weiter ging, und noch Hoffnung war pünktlich zum Spiel da zu sein. Wir haben dann ca. 50 Minuten gewartet bis endlich Busse auftauchten. Wir waren dann im Bus alle verstreut, was aber zur Erheiterung der anderen Gäste beitrug. Die mussten uns nämlich per Kette unser Bier hin und her tragen. Reka brachte mit seinen Scherzen dann den vorderen Bus (besonders die billigen Stehplätze) fast zum Überkochen. Der Zug in Bad Bevensen stand dann allerdings schon bereit. Die Schaffnerin hat mich dann gefragt wie viel Busse denn noch kommen. Ich sagte das wir der einzige sind. Mehr Busse kommen nicht mehr (es waren allerdings mind. 3 Busse) . Dann können wir ja los sagte sie, und fuhren ohne die anderen Passagiere aus den folgenden Bussen ohne weitere Probleme nach Hamburg. Allerdings war es mittlerweile schon 15:00 Uhr, wir sind dann also rein in die U-Bahn und ab zum Stadion.

Und wir waren dann also tatsächlich um 15:30 Uhr im Stadion, und dachten das es nicht mehr schlimmer werden könnte. Weit gefehlt. Das Spiel verlief dann ohne ganz große Höhepunkte, und mit dem Punkt waren wir eigentlich alle zufrieden. Außer Igor. Der wollte nämlich während dem Spiel das Weltpokalsieger-Besieger-Shirt von St. Pauli kaufen. Das war aber ausverkauft. Halb so wild dachte er sich, dann hole ich mir eben noch was anderes von St. Pauli. Der Stand war allerdings vor dem Stadion. Er ging also zu einer Ordnerin und sagte das er nur kurz was kaufen wollte und dann wieder ins Stadion möchte. "Kein Problem" sagte die "geh nur". Was Igor dann auch gleich machte. Als Igor dann allerdings wieder in Stadion wollte sagte die gleich Ordnerin das er nicht wieder rein durfte. Es gibt eine DFB-Auflage "Wer einmal aus dem Stadion raus ist kommt nicht mehr rein". Zur Erinnerung: Das war die gleiche Ordnerin die ihn raus gelassen hat.

Gut, Igor hat also die letzte halbe Stunde vor dem Stadion verbracht. Zumindest hat er uns dann nach Abpfiff gleich empfangen. Wir haben dann mit alle zusammen auf Michaela, Rainer und Reka gewartet. Die kamen aber nicht, und da Olaf Lindner (wegen einer Feier) unbedingt den ersten Zug (17:55 Uhr) bekommen wollte sind die zu dritt schon mal zum Bahnhof. Wir haben gesagt das wir ohne die drei nicht losfahren, und zur Not einen späteren Zug nehmen werden. So, diese drei waren aber so schlau ohne auf uns zu warten zum Bahnhof zu gehen. Da haben sie dann Olaf getroffen und sind dann auch prompt mit denen in den ersten Zug gestiegen. Zur Erinnerung: Wir haben immer noch auf die drei gewartet, weil wir ja nicht alleine fahren wollten. Gut, die waren also weg. Jetzt teile ich das ganze in 2 Gruppen auf. Die erste Gruppe um Olaf Lindner (mit Ela, Reka, Rainer und Zille mit Frau). Die zweite Gruppe waren meine (mit den 3 Kano's , Norman und Andre Wiesner). Wir bleiben jetzt erst mal bei meiner Gruppe, weil die anderen ja (noch) glücklich in dem ersten Zug saßen. Der erste Zug war also weg, macht nicht's dachten wir, dann nehmen wir eben den um 18:55 Uhr. Und jetzt nahm das Drama seinen Lauf. Nach dem Norman (der war zu allem Überfluss noch auf der Treppe gestürzt und hatte eine Bordsteinflechte. Natürlich lag das nicht am Alkohol, er war umgeknickt :-) ) und ich uns bei Mc Donalds satt gegessen haben (Norman wurde unglücklicherweise auch noch sein Mc Rib unterschlagen) wurde noch Bier geholt, und auf den Zug gewartet. Unglücklicherweise sind Edmund Kano und Norman kurz vor der Abfahrt noch mal pinkeln gegangen. Als die beiden wieder da waren war es schon 18:55 Uhr. Aber Zug stand ja "nur die Treppe runter" direkt vor uns. Wir also die Hände in die Hand und die Treppe runter. Dadurch da Igor der Versorgungsbär seine Bierkarre noch mit hatte waren wir halt nicht ganz so schnell.

Und so ist uns dieser Zug genau vor der Nase weggefahren. Klasse, jetzt war Improvisation gefragt. Wir also zum Kartenschalter in der Hoffnung das heute noch was geht. Die nette Dame sagte uns das wir mit unserem Billig-Ticket nicht mehr nach WOB kommen werden. "Aber in 45 Minuten fährt noch ein Zug über Bremen (!) nach Hannover" sagte die Dame. Gut, dachten wir. Dann fahren wir eben von Hannover mit einem anderen Zug nach Hause. Das wir schon klappen.

Man soll es nicht glauben. Diesen Zug haben wir tatsächlich bekommen. Wir haben dann in Bremen noch ca. 50 Minuten Aufenthalt gehabt und sind dann weiter nach Hannover gefahren. Da standen wir jetzt. Mittlerweile war es schon 23:00 Uhr. Wir also zum Schalter und nach einer Verbindung nach WOB gefragt (Egal was, Hauptsache nach Hause). "Tja Jungs, da habt ihr Pech.
Der nächste fährt erst morgen früh um 06:45 Uhr. Einer fährt noch bis Meinersen. Da ist allerdings Endstation. Gut, da standen wir jetzt. Es gab keinen Zug, uns war kalt, und das Bier war auch schon wieder alle. Aber egal, wir haben dann versucht verschiedene Leute anzurufen die uns aus Meinersen um 0:11 Uhr abholen könnten, weil wir nicht davon ausgehen konnten in Meinersen ein Taxi zu bekommen. Fehlanzeige. Alle haben schon geschlafen, oder hatten schon was getrunken. Was man ja auch um diese Zeit wirklich keinem verdenken kann. Wir brauchten ja nur ein Auto, weil Igor sagte seine Frau (ab Samstag lieben wir sie alle) würde auf jeden Fall kommen. Dann das Wunder. Mein letzte Eingebung war dann die Beste. Frank Kernchen. Warum bin ich da nicht gleich drauf gekommen. Auf unseren Frank kann man sich halt immer verlassen.

Da merkt man erst was richtige Freunde Wert sind. Ich habe ihn zwar aus dem Bett geholt, aber er hat ohne mit der Wimper zu zucken versprochen sofort nach Meinersen zu kommen. Er hat sich also mit Igor's Frau bei Mc Donalds getroffen, und ist dann mit ihr in Richtung Meinersen aufgebrochen. Wir also in den Zug nach Meinersen in der Vorfreude bald zuhause zu sein. So weit so gut, das war aber noch lange nicht alles. Jetzt kommt die erste Gruppe wieder ins Spiel.

Im Zug nach Meinersen fragte uns die Schaffnerin ob von uns schon welche einen Zug früher nach WOB gefahren sind. Ich sagte Nein, denn die sollten ja eigentlich direkt über Uelzen nach Hause gefahren sein. Da sagte sie das da aber zwei ohne Ticket waren die ihre "Reisegruppe" verloren hatten. Die wollten auch nicht bezahlen, so ist einer von beiden bei einem Halt einfach abgehauen, und den anderen hat die Polizei mitgenommen. Wir konnten uns das zwar nicht zusammenreimen, aber wir wussten das daß an diesem Tag genau zu uns passen würde.

Bei denen war ja bis jetzt eigentlich alles glatt gelaufen. Die sind ohne Probleme bis Uelzen gekommen. Das waren zwar 6 Leute (mit einem Ticket für 5 Leute), aber trotzdem ging alles reibungslos. Bis Uelzen. Jetzt kommt der Teil den ich mir rekonstruiert habe.

Da hatten Rainer und Reka die Eingebung bei dem 6-minütigen Aufenthalt noch Bier einzukaufen. Die beiden also raus und zum Kiosk. Der Zug hielt aber keine 6 Minuten, sondern setzte sich pünktlich als die beiden am Kiosk standen in Bewegung. Na gut, halb so wild dachten sich die beiden. Der nächste Zug mit uns an Bord kommt ja eine Stunde später und fährt dann über Hannover nach Wolfsburg. Die beiden haben dann also gewartet und sind dann in Uelzen in den Zug gestiegen in dem wir eigentlich sein sollten. Nur da waren wir ja leider nicht. Wir saßen zu der Zeit noch in Bremen. Und es kam wie es kommen musste. Die Schaffnerin kam. Und es waren tatsächlich die beiden ohne Ticket die ihre "Reisegruppe" verloren hatten. Bezahlen wollten die beiden nicht, weil wir ja für die beiden eigentlich ein gültiges Ticket hatten. Also gab es Stress.

Rainer ist dann in Triangel ausgestiegen. Reka wollte nicht mit. Er dachte die Schaffnerin blufft nur.  Reka hatte natürlich auch keinen Personalausweis dabei. Also wurde er von der Polizei auf dem Bahnhof in Wolfsburg empfangen. Die haben ihn dann logischerweise mitgenommen. Und zwar bis nach Hause, weil sie seine Personalien überprüfen wollten.

Wenigstens wurde er im warmen Auto nach Hause gebracht. Auch wenn da noch einiger Ärger auf ihn zukommen könnte. Das wäre übrigens nicht passiert wenn die anderen 3 gleich in Hamburg auf uns gewartet hätten.

So, jetzt schalten wir wieder nach Meinersen. Wir sind also ohne Zwischenfälle in Meinersen angekommen, und waren frohen Mutes das unsere beiden Retter gleich angekommen würden.

Das war aber leider nicht so einfach. Leider haben die beiden sich schon auf dem Weg nach Meinersen verfahren (was ihnen aber wirklich keiner übel nimmt). Es kam aber noch schlimmer.

Wir hatten die beiden ja gebeten nach Meinersen zum Bahnhof zum kommen. Leider ist es aber so das der Bahnhof von Meinersen in Seershausen ist. Wirklich war. Und so kam es das wir geschlagene 90 Minuten ohne Dach über dem Kopf auf dem Bahnhof/Meinersen in Seershausen gewartet haben. In der Zeit haben sich dann allerdings unglaubliche Szenen abgespielt. Da kamen Kommentare zum Vorschein die sicherlich noch in 25 Jahren an der Theke nach gespielt werden. Hier die einige Auszüge.

Zum Wetter:

Hubi: Seit doch froh das es wenigstens trocken ist. Stellt euch vor es schneit wie vorhin im Stadion.

Igor: Sag lieber nicht's, sonst fängt es noch an.

Genau 60 Sekunden später fing ein Schneesturm an, der die nächsten 60 Minuten nicht mehr aufhören sollte.

Harald: Hubi, ich bringe dich um. Nur weil du das gesagt hast schneit es jetzt.

Hubi: Laßt mich zu zufrieden. Sonst sage ich gleich das wir froh sein können das es keine Scheiße regnet. Wenn das auch noch klappt schmeiße ich mich vor den Zug der nicht kommt.

Zu Olympia:

Andre: Wir sollten versuchen uns warm zu halten (Edmund hatte schon 436 Runden um die Bäume gemacht um nicht einzufrieren).

Hubi: Ich habe eine Idee. Wir nehmen Igor's Bierwagen (eine umgebaute Sackkarre) und machen in der Meinersen-Eisbahn einen Viererbob Wettbewerb.

Norman: Von mir aus.

Hubi: Ich will aber der Bremser sein.

Harald: Nicht's, dazu bist du zu leicht (!!). Das mache ich. Dazu braucht man Power.

Hubi: O.k., Edmund ist der Lenker. Der ist wenigstens warm (nach der 572 Runde um die Bäume).

Hubi: Alle anderen sind der Anschieber. Jetzt aber los.

Harald: Wenn ihr jetzt noch meinen Bierwagen zerstört drehe ich ab.

Hubi: Hoffentlich hat Frank Kernchen unsere Goldmedaille im Gepäck.

Man soll es nicht glauben, aber wir haben trotz unseres duseligen Schädels diese Wahsinns-Bobfahrt nicht durchgezogen. Sonst wären wir wohl auch noch 5 Mitglieder weniger.

Wir standen per Handy ständig mit Frank in Kontakt. Aber durch diese Sache Bahnhof/Meinersen/Seershausen hat er uns einfach nicht gefunden. Also dachten wir das es besser ist sich auf den Weg an die Hauptstrasse zu machen. Der Schneesturm wurde immer stärker.

Kurz vor dem erfrieren:

Igor: Die finden uns nie, niemals.

Andre: Wir werden hier alle erfrieren

Igor: Die finden uns nie, auf keinen Fall. Das kann nicht's werden.

Norman: Wir werden sterben.

Igor: Die finden uns nie. Egal wo die suchen. Wir haben keine Chance.

Andre: Laß uns alle zusammen stellen und uns gegenseitig wärmen.

Igor: Die finden uns nie.

Hubi: Hört endlich auf zu jammern und sterbt wenigstens wie richtige Männer.

Und dann war es soweit. Am Ende der Strasse tauchen 2 Auto's auf. Ich habe gleich Frank angerufen. Er sagte das er nicht mehr weiter weiß. Ich sagte ihm das ich ihn glaube ich gerade sehe. Frank sagte das er mal mit dem Fernlicht aufblenden würde. Und tatsächlich. Er war es.

Mittlerweile war es schon irgendwann nach 2 Uhr Nachts. Als die beiden dann da waren hatten wir uns alle ganz lieb. Das war als wenn man seine Familie nach 26 Jahren Gefangenschaft in Kambodscha endlich wieder sieht. Da war auch egal das Igor's Frau keine Sprit mehr hatte, und wir beten mussten das wir es noch zur Tankstelle nach Gifhorn schaffen würden. Frank hatte sogar seine Tochter mit im Gepäck. Sie ist für mich, genau wie die anderen beiden Retter, ein Held in diese Nacht. In einer Nacht in der wir eigentlich schon lang im Bett liegen wollten.

Aber leider hat auf dieser "ganz normalen" Fahrt nach St. Pauli nicht viel geklappt.

Aber ich wir waren uns am Ende alle einig. Soviel gelacht wie bei dieser Fahrt hatten wir lange nicht mehr. Und das wird mit Sicherheit eine Fahrt bleiben von der wir noch ganz lange erzählen werden.

Und schließlich sind ja von 12 gestarteten Fans wenigstens 4 pünktlich und heile zuhause angekommen.

 

Von Hubi, der dann endlich um 02:50 Uhr Zuhause war.